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Rede der FDP-Fraktion im Kreistag vom 08.09.2008

SLABON: Schulbezogene Schulsozialarbeit im Landkreis Darmstadt-Dieburg voranbringen

Wir alle wissen, dass die vielen Probleme von Schülerinnen und Schülern heute nicht mehr alleine von den Lehrkräften bewältigt werden können. Jugendhilfe, Erziehungsberatung und viele andere Institutionen werden immer mehr mit diesen Problemen befasst. Aber diese Hilfen setzen oft erst dann ein, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Präventive soziale Arbeit als Dauereinrichtung in der Schule ist daher gefragt.

Dazu müssen unbedingt die schulischen Rahmenbedingungen verändert werden: Neben einem veränderten Unterrichtsangebot ist es unbedingt erforderlich, dass im Rahmen der Prävention gefährdeten Kindern und Jugendlichen immer wieder Kontakte angeboten werden, damit sie Vertrauen fassen können. Das ist es, worauf die Schule nicht vorbereitet ist und was oft – vorrangig aus Sicht der Kinder und Jugendlichen - mit der Rolle des Lehrers auch nicht vereinbar ist. Die Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern kann es nicht sein, alleine auf sich selbst gestellt - neben einem guten Unterricht - Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen zu erkennen und anzusprechen, sozialpädagogische Lebenshilfen zu leisten und permanenten Kontakt mit den außerschulischen Unterstützungsinstitutionen zu halten. Daher brauchen wir dringend permanente Sozialarbeit in der Schule und als Teil der Schule. Durch die Bündelung der Kompetenzen und rollenbezogenen Zuständigkeiten von Lehrkräften und Sozialpädagogen, die vertrauensvoll zusammen arbeiten und die ein gemeinsames pädagogisches und sozialpädagogisches Konzept verbindet, können nach meiner Überzeugung viele Probleme in der Schule erkannt und behoben werden, bevor sich überhaupt die Notwendigkeit der Einschaltung außerschulischer Unterstützung ergibt.

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg hat vor Jahren mit der Einrichtung der projektbezogenen Schulsozialarbeit leider den letzten Schritt vor dem ersten und vielen weiteren gemacht. Projektbezogene Schulsozialarbeit ist das Sahnehäubchen auf dem Kuchen. Und der Kuchen „schulbezogene Schulsozialarbeit“ ist bei uns bisher noch nicht einmal angerührt. Dies habe ich in den letzten Jahren immer an wieder angesprochen, leider bisher ohne viel Erfolg.

Daher freue ich mich, dass jetzt alle Fraktionen unserem Antrag, ein Konzept zur „tatsächlich schulbezogenen Schulsozialarbeit“ vorzulegen, zustimmen wollen. An der Erarbeitung dieses Konzeptes und auch an der späteren Durchführung müssen die Schulen und die Gemeinden und Städte beteiligt werden. In einigen Gemeinden gibt es erfreulicherweise bereits Vorleistungen, die auch in das Konzept einbezogen werden müssen.

Die schrittweise Einführung einer schulbezogenen Schulsozialarbeit kann in einem ersten Schritt kosten- und stellenneutral erfolgen. Später werden auf jeden Fall mehr Mittel und Stellen benötigt, als derzeit vorhanden. Unser Vorschlag war, die derzeit diskutierte Drittelfinanzierung anzustreben, weil ich das für eine realisierbare Lösung halte. Gerne stimme ich aber dem Änderungsantrag zu, dass Schulsozialarbeit aus originären Landesmitteln finanziert werden soll. Genau diese Forderung hat der VBE, der Lehrerverband in dem ich seit vielen Jahren aktiv mitarbeite, auf seinem „Deutschen Lehrertag 2003“ mit dem Thema „Schwierige Schüler, mehr Erziehung - Brauchen wir Schulsozialarbeit?“ gefordert.

Wir alle in diesem Kreistag sind aber sicher Realisten: Die finanzielle Situation unseres Landes wird eine schnelle Erfüllung diese Wunsches nicht ermöglichen. Bis dahin können wir aber nicht warten. Die Erarbeitung eines Konzeptes für den Landkreis Darmstadt-Dieburg muss sofort beginnen. Und bis zur Schaffung von ausreichenden Planstellen für Sozialarbeiter im Haushaltsplan des HKM müssen wir hier vor Ort pragmatische Lösungen suchen und finden, denn den Schulen muss rasch geholfen werden und nicht in ferner Zukunft. Nur Probleme, die rasch angegangen werden, wachsen nicht ins Uferlose!

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